Stories
| Geschichten aus dem FEARLESS Universum |
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Schönheit hat ihren Preis
Part 2 |
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von Sebastian Meusel
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Hier kommt die versprochene Fortsetzung. (Der erste Teil steht in
der letzten NetNews - #16)
- Jetzt kommt Spaß auf -
.
Alle sprangen gleichzeitig auf und wichen
von Tisch zurück an die Wände des Raumes. Nur Kourosava San und
der alte Europäer bleiben an ihrem Platz. Der eine, weil er sich ohne
Hilfe kaum bewegen konnte und der andere, weil er offensichtlich versuchte,
seine überaus wichtigen Papiere zusammen zu sammeln. Kourosava San
mühte sich ab, seine Krücken in die Hände zu bekommen. Sie
reichte ihm eine davon und zog ihn auf die Beine. Dankbar nickte er ihr
zu.
Der Nebel füllte nun den Raum und
machte es fast unmöglich etwas zu erkennen. Aus den Geräuschen
an der Tür schloß sie, daß die meisten der Gäste
den Weg zur Tür gefunden hatten und nun von den Wachmännern in
Sicherheit gebracht wurden. Ein lautes, blechernes Scheppern verriet ihr,
daß das Lüftungsgitter seinen Weg auf den Tisch gefunden hatte.
Wenn ein Assasiene kommen würde, dann von dort - oder das sollten
sie glauben.Im Gegensatz zu allen anderen konnte Chantall noch sehr gut
sehen.
Sie hatte, sobald die ersten Finger des
Nebels in die Raumluft hinaus griffen, von Normalsicht auf Infrarot umgeschaltet.
Die Implantate arbeiteten einwandfrei. Und da waren auch schon drei
rötlich glühende Gestalten, welche durch den Nebel stapften wie
durch Schnee, immer darauf bedacht nirgendwo anzustoßen. Sie befand
sich mit Kourosava San an dem Ausgang der gegenüber gelegenen Seite
des Raumes. Zwei der Personen bewegten sich auf sie zu, der dritte von
ihnen weg. Die Rufe der Verzweifelten drangen leicht verzerrt an ihr ultrascharfes
Gehör. Sie verlangten zu wissen wo der Ausgang sei und wurden von
einem Wachmann an der Tür zu sich gerufen. Zwei von ihnen hatten wohl
vollkommen die Orientierung verloren. Sie liefen genau in die falsche Richtung.
Der eine Mann tastetet sich mühsam am Tisch entlang und sein Kopf
hatte fast die selbe Farbe wie die Umgebung in ihrem Blickfeld. Der zweite
Mann war und blieb bewundernswert Ruhig. Sein Kopf schimmerte bläulich
und er setzte seine Schritte auch mit mehr bedacht als der erste. Beide
riefen immer wieder nach dem Wachmann am Ausgang um Hilfe.
Dann fiel etwas großes von der Decke
herab auf den Tisch. Der dunkle Umriß sagte ihr, daß es ein
Thermoanzug war, der sich jetzt dort bewegte. Damit war er zwar an den
Infrarot-Sensoren der Wachmannschaften vorbeigekommen, doch hatte er nicht
damit gerechnet, daß es in diesem Raum so warm sein würde. Sein
Anzug hatte es schwer den plötzlichen Temperaturwechsel zu kompensieren.
Sie hatte extra darum gebeten die Thermostate etwas höher zu drehen.
Er sprang durch den Nebel, als währe dieser für ihn nicht vorhanden.
Die speziellen Gläser seiner Anzugmaske ermöglichten ihm dies.
Er kam näher. Zielsicher lief er auf ihren Auftraggeber zu und zog
dabei eine kurzläufige Waffe. Chantall konnte den Aufgeschraubten
kurzen Schalldämpfer genau erkennen. Breitbeinig und Siegessicher
baute er sich auf dem Tisch auf um genau zielen zu können.
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- Sein Fehler -
Mit einer schnellen fließenden Bewegung
schlug sie mit der ungenutzten Krücke ihres Auftraggebers zu. Der
Schlag zertrümmerte sein Kniegelenk und holte ihn damit blitzartig
von den Beinen. Ein weiterer schneller Schlag auf den Kopf setzte ihn außer
Gefecht noch bevor er aufschreien konnte. An der Tür hatten sich derweil
die Wachmänner versammelt und rückten nun geschlossen in den
noch immer mit Nebel gefüllten Raum vor. Sie riefen Kourosava Sans
Namen, bekamen jedoch von dem erfahrenen alten Mann keine Antwort. Er hatte
schon mehrmals Mordversuche überlebt, nur weil er nicht so dumm
gewesen war, seine Position zu verraten. Sie respektierte den alten Mann.
Dann hörte sie den Atem an ihrer Seite. |
Der zweite Mann hatte sich zu ihnen durch den
Nebel geschlagen und stand nun hustend und keuchend vor ihnen. Der alte
Europäer stand umgeben von Wachleuten und noch immer mit kühlem
Kopf an der Tür und rief den Namen seines Vorstandsvorsitzenden. Chantall
griff sich den Arm des keuchenden Mannes und zischte ihm durch zusammengebissene
Zähne zu, er solle ihr folgen. Widerstandslos ließ er sich von
ihr führen. Sein panisches Wimmern hallte durch den Nebel wie der
Gesang der sagenhaften Erinnyen.
Sie erreichten die Tür und ein Wachmann nahm sich sofort des hustenden
Mannes an. Er führte ihn von dem rauchenden Zimmer weg zur Tür
des Restaurants. Sie stütze weiterhin Kourosava San und mit einem
mal war der ältere Europäer neben ihm und lieh dem gebrechlichen
alten Mann ebenfalls einen Arm. Kurz sah sie seine rötlich schimmernde
Hand bevor sie ihre Sicht wieder auf normal umstellte. Gemeinsam brachten
sie ihn zur Tür des Hauses und zur dort bereitstehenden Limousine.
Über ihr im Ohrring befindliches Breitbandscanner-Funkgerät hörte
sie, daß die Wachmänner den bewußtlosen Angreifer gefunden
hatten. Sie vermuteten, daß er beim Sprung aus dem Lüftungsschacht
gestürzt sei, scherzten bereits über seine ³Unfähigkeitã
und waren froh, daß alles so glimpflich abgegangen war. Chantall,
Kourosava San und der gesetzte Europäer erreichten den Wagen und sie
zog die Tür auf. Ihr Helfer hielt ihren Auftraggeber fest und sie
warf dessen Krücken in den Fonts. Dann trat sie einen Schritt zurück
um dem alten Mann das Einsteigen zu ermöglichen. Der Europäer
half ihr dabei.
Ihr kurzer schneller Schlag traf den Nacken
des Europäers wie ein Dampfhammer. Seine Wirbelsäule hatte ihren
verstärkten Muskeln und stählernen Knochen nichts entgegenzusetzen.
Diese langen Seidenhandschuhe waren sehr praktisch, wenn es darum ging,
solche Modifikationen zu kaschieren. Er brach zusammen wie ein nasser Sack
und blieb auf dem Pflaster liegen. Die kurze Spritze rollte aus seiner
Hand vor ihre Füße. Chantall bückte sich, hob sie auf und
träufelte etwas von der Flüssigkeit auf ihren Handrücken.
Das Material verfärbte sich gelblich. Der Indikator mit dem die Fasern
getränkt waren, wies auf ein starkes Gift hin. Sehr clever! Es hätte
ausgesehen, als ob das Herz des alten Mannes die Aufregung eines weiteren
Mordversuches nicht mehr verkraftet hätte. In der Hocke verweilend
und den fragenden Blick ihres Auftraggebers ignorierend, griff sie der
Leiche an den Hals und riß mit einem schnellen Ruck die künstliche
Haut vom Gesicht des Mannes. Unter der faltigen Maske kamen junge Züge
zum Vorschein.
- Hm, nicht unattraktiv. Fast schon schade -
Seine Brille klapperte zu Boden und in den bläulich getönten
Gläsern spiegelte sich der nasse Asphalt.
- Wer trägt denn heutzutage noch solch dicke Brillengläser?
Nur diejenigen, die Elektronik darin unterbringen müssen - beantwortete
sie ihre eigene innere Frage.Und seine künstliche Gesichtshaut, ließ
im Gegensatz zu seinen Händen, kaum Körperwärme nach außen
- und keinen Schweiß!
- Wie unprofessionell. Das sind ja Anfängerfehler. -
Nun mußte sie allerdings wieder möglichst
unauffällig wirken. Sie stieg neben Kourosava San in den Font der
Limousine und ließ sich von ihm nach Hause geleiten. An der angegebenen
Adresse und stieg sie aus und drückte ihren Auftraggeber noch einmal
zum Abschied fest an sich. Winkend stand sie am Straßenrand bis der
Wagen außer Sichtweite war. Dann ging sie zu ihrem eigenen Auto.
| Am nächsten Morgen sah Chantall die
Nachrichten. Der Multimillionär und Vorstandsvorsitzende der ³Cyrrus
Corporationã Kourosava Ohachi war am gestrigen Abend nur Knapp zwei Anschlägen
entkommen, wobei einer durch die Stümperhaftigkeit und Ungeschicklichkeit
des Assassinen - Wie wahr, wie wahr - und ein weiterer durch die Professionalität
und Aufmerksamkeit seines Wachpersonals verhindert wurden. - Ach, so bezeichneten
die das? - Jedoch konnten ihn beide Umstände nicht vor dem plötzlichen
Hirnschlag beschützen, welcher ihn auf der Heimfahrt ereilte. Sein
Chauffeur sagte aus, der alte Mann sei sanft auf dem Rücksitz eingeschlafen
und dann einfach nicht mehr aufgewacht. Ein letztes Mal habe er noch von
seiner freundlichen und gutaussehenden Begleiterin gesprochen, welche diese
schreckliche Nachricht wohl nun auf diesem Wege erfährt, da sie zu
Hause nicht zu erreichen war.- Ach, wie nett.- |
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Der Kommentator erschien wieder auf dem Bildschirm und verkündete
mit steinerner Miene, daß sich die Polizei weitere Hinweise auf die
Drahtzieher der Anschläge durch die Aussagen eben jener Begleiterin,
der jungen Diana Cunning, erhoffte. Ein Foto erschien neben dem Kommentator,
welches Kourosava San in Begleitung einer blonden jungen Frau zeigte, deren
volles Haar jedoch den Großteil ihres Gesichtes verdeckte. - Gut
so - Sie wurde gebeten, sich schnellstmöglich auf dem nächsten
Polizeirevier einzufinden, um dort ihre Aussage zu machen, da ihre Adresse
den Behörden nicht bekannt sei. - Was auch so bleiben wird, ihr Lieben
- Die Beisetzung des Vorsitzenden Kourosava würde im engsten Kreise
stattfinden und die ³Cyrrus Corporationã plane bereits am Tage darauf,
einen neuen Vorsitzenden zu wählen.
Chantall achtete nicht auf die weiteren
News, sie packte. - Das war Professionalität! Niemand ahnte, daß
Sie bei der letzten Umarmung seine Aorta so zusammengedrückt hatte,
daß es zu einer langsamen Unterversorgung des Gehirns kam - Ihre
blonde Echthaarperücke wanderte zuletzt in den Koffer. Ihr ultraleichter,
elektronischer Brustharnisch kniff ein wenig unter der Lederjacke. Er war
jedoch nötig. Ohne ihn wäre ein Fortkommen im bekannten All für
sie unmöglich. Er sendete alle nötigen Störsignale, um ihr
ein unbehelligtes passieren der Zollsperren zu ermöglichen. Ihre Ausrüstung
würde dafür sorgen, daß auf den Röntgenschirmen der
Waffenkontrollen, nur eine harmlose junge Frau zu sehen war und nichts
vom dem metallenen Präzisionswerkzeug, was unter ihrer zarten Haut
lauerte. Unterwegs zur Straße telefonierte sie von ihrem Mobieltelephon
aus mit einer Bank auf der Erde. Das Geld war vor einer Stunde auf ihr
schweizer Nummernkonto verbucht worden. Ihre Belohnung für einen gelungenen
Auftrag. Beinahe hätten diese beiden Stümper sie um ihr Geld
gebracht. Sie hatte nicht umsonst Monate damit verbracht, das Vertrauen
des alten Mannes zu gewinnen und seine Wachhunde in Sicherheit zu wiegen.
Und ihre Auftraggeber hätten in jedem Fall erfahren, wer letztendlich
den Tod des Alten verursacht hatte. Sie wäre nie mit einer Lüge
durchgekommen. Innerlich seufzend warf sie das Telephon in einen offenen
Mülleimer und rief sich ein Taxi. Ihre Modifikationen und Ausrüstungen
waren nicht billig gewesen. Ihren Auftraggebern von Fearless hätte
es wohl kaum gefallen, wenn sie bei ihrem ersten Einsatz für die Company
versagt hätte. Sie wußte was mit jenen passierte, die ihre Verträge
mit der Company nicht erfüllten. Sie fanden sich meist in einer der
Arenen wieder. Doch das würde ihr so schnell nicht passieren. Schließlich
war sie eine der Besten und dazu noch ein Prototyp.
Wenig später checkte am Raumhafen
eine junge Frau mit auffällig bunten, kurzen Haaren und aufregender,
knallenger Lacklederkleidung unter dem Namen Selene Hunter zu einem Flug
nach Magellan ein.
--- Ende --- |